principa App mit Thieme Fragebogen auf Smartphone

PlanOrg und Thieme Compliance

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Geschäftsführer Dr. Andreas Orth

Dr. Andreas Orth, Geschäftsführer der PlanOrg GmbH

PlanOrg und Thieme Compliance
Impfmanagement – komplett digitale Prozesse als Erfolgsgeheimnis

Flexible und schnell individualisierbare Healthcare Plattformen ermöglichen es, in nur kurzer Zeit neue Prozesse und Lösungen zu entwickeln. Am Beispiel des digitalen Impfmanagements am Klinikum rechts der Isar der TU München (MRI) erläutert Dr. Andreas Orth, Geschäftsführer bei PlanOrg, im Interview, wie entscheidend ein gutes Zusammenspiel von innovativen Entwicklungspartnern, Kunden und engagierten Mitarbeitern für eine erfolgreiche Projektumsetzung ist.

Herr Dr. Orth, als Geschäftsführer des marktbekannten Unternehmens PlanOrg haben Sie bereits im letzten Jahr das Impfmanagement-Modul Ihrer Softwarelösung principa im Markt etabliert. Wie ist Ihnen diese schnelle Umsetzung gelungen?

Das „Geheimnis“ dieses schnellen Impfmanagement-Aufbaus lag in dem Drei-Gestirn: innovativer Kunde bzw. Entwicklungspartner, vorhandene und leicht adaptierbare Lösung sowie natürlich engagierte Mitarbeiter, sowohl bei unserem Partner als auch bei PlanOrg selbst.
So ist es uns gelungen, innerhalb von drei Wochen aus der vorhandenen Klinikambulanz-Lösung ein Impfmanagement für Mitarbeiter zu entwickeln. Am 29.12.2021 wurden auch pünktlich die ersten 71 Mitarbeiter geimpft.  
principa ist eine extrem flexible, schnell individualisierbare Healthcare Plattform – dank dieses innovativen Ansatzes ist es möglich, schnell neue Anwendungsmodelle wie das Impfmanagement umzusetzen.
Auf Basis der vorhandenen Funktionalitäten stellten wir einen neuen Prozess zusammen. Die Online-Services unseres Patientenportals wurden den Mitarbeitern für Online-Terminbuchungen über unsere principa Patienten-App freigeschaltet. Die Herausforderungen? Die Freigabe musste selektiv erfolgen, z.B. nach Kostenstellen, Berufsgruppen oder Ähnlichem.  
Der Thieme Aufklärungsbogen sollte schon im Anmeldeprozess verfügbar sein, um den Mitarbeitern wichtige Informationen wie Wirkung und Risiken frühestmöglich an die Hand zu geben. Und aufgrund der verwendeten Impfstoffe sollte über eine Terminlogik sofort der Zweittermin vergeben werden. Für die einfache Sicherheitskontrolle am Impfzentrum generierte die App je einen terminbezogenen QR-Code.
Man kann nicht oft genug betonen, wie entscheidend Mitarbeiterengagement bei vor allem schnellen Projektumsetzungen ist: mit den Mitarbeitern des MRI in München haben Thieme Compliance und wir sehr innovative und digital ausgerichtete Entwicklungspartner, die engagiert bei der Umsetzung aller Prozesse mitwirkten.

Gibt es weitere Kliniken, die Ihre Lösung derzeit einsetzen?

Das Projekt wurde in sehr kurzer Zeit umgesetzt, um die Weihnachtszeit in Betrieb genommen und ist von daher noch sehr jung. Doch herumgesprochen hat sich die Münchener Lösung schon. Mit der Medizinischen Hochschule Hannover konnten wir eine weitere Klinik gewinnen, die innerhalb von 14 Tagen mit dem digitalen Impfmanagement eins zu eins live ging.

Ab April sollen ja Hausärzte massiv in den Impfprozess mit einsteigen. Sehen Sie das principa Impfmanagement auch als eine Lösung, die das Impfen von Patienten mit unterstützen könnte?

Es ist noch ungewiss, wie sich die Dinge im Detail entwickeln. Doch wir bereiten uns darauf vor, mit dem MRI gemeinsam das Impfmanagement für Mitarbeiter auch für Patienten verfügbar zu machen.  Wenn das schnell gelingt, können wir für unsere Kunden, die ein eigenes Impfzentrum betreiben, eine Lösung anbieten, die den gesamten Prozess „Terminierung, Aufklärung, Dokumentation“ digital abbildet.

Welche Bedeutung hat Thieme Compliance im Kontext des Impfmanagements für Sie?

Thieme Compliance steuert den passenden Content bei. Die Aufklärungsinformationen entsprechend dem Marktstandard sind von hervorragender Qualität und eingebettet in einen digitalen Workflow. Bewährtes integrieren statt alles selbst machen – das ist unser Motto. Dank der guten Zusammenarbeit konnten wir den engen Zeitplan ohne Schwierigkeiten umsetzen. Dieser Use Case hat auch Appetit auf mehr gemacht. Wir möchten die Thieme Lösungen für Aufklärung und Dokumentation auch zu anderen Themen in unsere App und unser Portal integrieren. Diese digitale Lösung spart in der Praxis nicht nur enorm viel Papier und Zeit, sondern ist auch ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer höheren Behandlungsqualität.
Mit anderen Worten: Thieme Compliance liefert entscheidende Bausteine für den digitalen Workflow, um den Content nahtlos zu integrieren. Wir liefern die technologische Umsetzung. Gemeinsam bieten wir mit der Patienten-App und dem Portal unseren Kunden eine anwenderfreundliche Gesamtlösung.

Ist die Digitalisierung Ihrer Meinung nach in Deutschland auf einem guten Weg?

Auf jeden Fall ist durch die Umsetzung der Telematik-Infrastruktur und der daraus resultierenden Vernetzung im Gesundheitswesen, dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) und nicht zuletzt durch Corona eine spürbare Aufbruchstimmung entstanden.
Das KHZG setzt wesentliche Schwerpunkte. Einer davon ist mit dem Fördertatbestand Nr.2 die Portaleinbindung von Patienten im Rahmen eines digitalen Aufnahme-, Behandlungs- und Entlassungsmanagements.
Kritisch betrachte ich jedoch bei aller entstehenden Euphorie die Haltung vieler etablierter Anbieter in Bezug auf Offenheit und Interoperabilität. Zum einen der technische Aspekt: Viele Lösungen lassen im Hinblick auf offene, z.B. FHIR basierte Kommunikation mit Cloud- oder mobilen Lösungen die notwendigen Funktionalitäten vermissen. Zum anderen wird Interoperabilität zugunsten eigener proprietärer Lösungen nicht immer praxisgerecht unterstützt. Hier hoffen wir, dass die Anforderungen des KHZGs zu einem Umdenken führen.
Unsere principa Plattform ist auch in dieser Hinsicht offen und interoperabel. Das principa Portal, oder auch unsere principa Patienten-App, kommuniziert mit dem principa BackEnd über das Standardprotokoll HL7 FHIR. Das heißt, jede andere Lösung, die auch HL7 FHIR spricht, kann sich mit principa verbinden.

Sie bezeichnen principa als HealthCare Plattform. Was bedeutet das in Bezug auf Ihre Software?

Man kann unsere principa Plattform ganz pauschal auch als ein HL7 Framework bezeichnen. Aufbauend auf dem HL7 RIM Datenmodell stehen integrierte Entwicklungswerkzeuge zur Verfügung, mit denen unsere Healthcare Lösungen für Medizinische Versorgungszentren (MVZ), Praxiskliniken und Kliniken, aber auch unsere Portal-Lösungen entwickelt werden. Insofern ist principa also weder eine reine Praxissoftware noch eine reine KIS-Lösung, sondern eine typische Plattform. Natürlich können auch unsere Kunden diese Werkzeuge, also Formular-, Workflow-, Regel- und Report-Generatoren, zur eigenen Nutzung lizensieren.
Und als ein ganz wichtiges Element im Hinblick auf die oben mehrmals erwähnte Interoperabilität muss ich unseren integrierten Kommunikationsserver, den Enterprise Service Bus erwähnen, der vom GDT und LDT in den Praxen, über HL7 und DICOM im Klinikumfeld, bis hin zu HL7 FHIR, alle Kommunikationsformen unterstützt.
Dieses Framework wird auch von unseren Partnern geschätzt und genutzt, wie man am Beispiel des MRI-Projektes sehen kann.

Was zeichnet Ihr Patientenportal aus?

Wir legen großen Wert darauf, dass Portale oder Patienten-Self-Services helfen, aufwändige manuelle Prozesse durch Digitalisierung für alle Teilnehmer lösungsübergreifend zu vereinfachen. Seien es die Patienten selbst, seien es die Ärzte oder Medizinische Fachangestellte.
Neben dem Portal oder der App selbst ist der Prozess dahinter die eigentliche Herausforderung. Interoperabilität, also die Fähigkeit, mit anderen Lösungen ohne Prozessbrüche zu kommunizieren, ist dafür eine wesentliche Eigenschaft. Und dann gehört für mich unbedingt die Fähigkeit dazu, Prozesse rund um das Portal durch Konfiguration anpassen oder verändern zu können.  
In der Interoperabilität sowie in der Prozess-Konfiguration liegen auch die Stärken unserer principa Healthcare Plattform.

Sehen Sie Zusammenhänge zwischen Patientenportalen und der Telematik Infrastruktur?

Heute ist es so, dass principa, wie oben bereits erwähnt, einerseits als Plattform agiert, die Lösungen beispielsweise für MVZ oder das Ambulanzmanagement in Kliniken liefert. In diesem Zusammenhang unterstützt principa alle Anforderungen der Telematik-Infrastruktur bis hin zu KIM und ePA.  Und das principa Portal bindet den Patienten dergestalt ein, dass er über eine ihm eigene HOME Akte als Basis für die Online-Terminierung, Videosprechstunde oder Dokumentenbearbeitung mit „seiner“ Klinik oder „seiner“ Praxis digital kommuniziert.
„Morgen“ ergeben sich über den heutigen Status Quo hinaus auch durch die Telematik-Mehrwertdienste eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Man kann sagen, dass wir eher am Anfang einer Entwicklung stehen.

www.principa.health/corona-impfmanagement/

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